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Der historische Hintergrund der Ganzkörperkältetherapie

Kälte: Vom antiken Anästhetikum zum Hausmittel Nr.1

Dass Kälte einen therapeutischen und schmerzlindernden Effekt auf den menschlichen Körper haben kann, entdeckte bereits die Volksmedizin des Altertums. Ärzteschulen in Persien, im alten Rom und im antiken Griechenland verwendeten Eiswasser, Schnee und kaltes Wasser, um verschiedene Krankheitsbilder zu behandeln und um im chirurgischen Bereich schmerzfrei operieren zu können.1 Dieses uralte Wissen ist bis heute erhalten geblieben: Bei kleinen Verbrennungen, Entzündungen und Beulen ist das Kühlen meist die erste Maßnahme im Alltag. Des Weiteren wird Kälte heute auch in Form von Kältekammern eingesetzt, wo der gesamte Körper kurzzeitig einer Temperatur von bis zu -190℃ ausgesetzt wird. Dies kann dabei helfen, die Symptome chronischer Krankheiten zu lindern und eine Verschlimmerung zu verzögern. So zum Beispiel bei Rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew, Schuppenflechte, Multipler Sklerose, Neurodermitis, Asthma bronchiale und vielen mehr. Obwohl das eingesetzte Mittel das gleiche ist, ist Kälte als Ganzkörperanwendung weitaus weniger bekannt als die Anwendung als Hausmittel. Tatsächlich hat sie heute jedoch einen festen Platz im Therapieplan vieler Patienten. Wer zum ersten Mal von der Ganzkörperkältetherapie hört und verwundert den Kopf schüttelt, sollte einmal einen genaueren Blick auf die Geschichte des Wissens rund um den therapeutischen Effekt von Kälte werfen; diese hatte nämlich gerade in Deutschland einen spannenden und äußerst populären Verlauf.

Die Kneipp-Kur

Der Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) trug einen immensen Teil zum Wissen über den therapeutischen Effekt von Kälteanwendungen bei und machte sich so auf ewig einen Namen in der deutschen Kultur und über ihre Grenzen hinaus. Seine Beschäftigung mit der Wirkung von kaltem Wasser auf den kranken Körper begann, als er selbst erkrankte: Im Alter von 28 Jahren wurde bei Kneipp Tuberkulose festgestellt; eine Infektionskrankheit, die vor allem die Lunge befällt und im 19. Jahrhundert meistens tödlich verlief, ja geradezu mit einem Todesurteil gleichzusetzen war. Nach seiner Erkrankung geriet zufällig das Buch „Unterricht von der Heilkraft des frischen Wassers“ von Johann S. Hahn in Kneipps Besitz, das heute als Pionierwerk der deutschen Wasserheilkunde gilt. Er las es und befolgte die darin enthaltenen Empfehlungen, täglich kalt zu baden. Kneipp wählte hierfür die Donau und schwamm jeden Tag in ihrem kalten Wasser. Das Ergebnis: Er wurde wieder gesund. Kneipp führte seine Genesung auf den therapeutischen Effekt des kalten Wassers zurück und fing an, sich systematisch mit der Wirkung von unterschiedlich temperiertem Wasser auf den Körper auseinanderzusetzen. Seine Untersuchungsergebnisse schrieb er nieder und veröffentlichte sie unter dem Buchtitel „Meine Wasserkur“. Unzählige Kranke pilgerten zu Pfarrer Kneipp, um sich von ihm behandeln zu lassen und um von ihm zu lernen, er errichtete Badehäuser und Heime für Kinder und wurde für seine Wohltaten schließlich mit dem päpstlichen Ehrentitel „Monsignore“ ausgezeichnet.2 Heute kennen die meisten den Namen Kneipp vor allem aufgrund der „Kneippbecken“, die man im öffentlichen Raum vorfindet. Tatsächlich ist Sebastian Kneipp jedoch ein Pionier in Sachen therapeutischer Wasseranwendung und ein Vorläufer der Ganzkörperkältetherapie per Kältekammer, die heute eine ähnliche Anziehungskraft auf die Menschen zu haben scheint, wie die Kneipp-Kur im 19. Jahrhundert.

Quellen:

Dr. Außerer, Oskar; Dr. med. Thuile, Christian: Schneesauna. Die Wellness-Revolution. Eine Methode nach Dr. med. Christian Thuile. Wien 2014.

Papenfuß, Prof. Dr. sc. med. Winfried: Die Kraft der Kälte. Ganzkörperkältetherapie bei -110. Eine physikalische Kurzzeittherapie mit Langzeitwirkung. Regensburg, 2005.


[1] Vgl. Prof. Dr. sc. med. Winfried Papenfuß: Die Kraft der Kälte. Eine physikalische Kurzzeittherapie mit Langzeitwirkung. S. 10.

[2] Vgl. Dr. med. Christian Thuile, Dr. Oskar Außerer: Schneesauna. Die Wellness-Revolution. Eine Methode nach Dr. med. Christian Thuile. Wien 2014. S. 50.

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